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Predigt zur Konfirmation, 19.5.2013, über 1. Tim. 6,12
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Predigt zur Konfirmation, 19.5.2013, über 1. Tim. 6,12

Predigt vom 19.05.13 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Eltern, vor 13 – 14 Jahren hieltet ihr diese eure Kinder als kleine schreiende Bündel Leben auf den Armen, und ihr, liebe Konfirmanden, wusstet noch nichts von eurem Glück. Was inzwischen geschehen ist, sehen wir hier vorn in der ersten Bank. Schreiende Bündel Leben sind sie manchmal auch noch, aber statt auf die Arme könnt ihr sie nur in die Arme nehmen. Die Jugendlichen können es gar nicht erwarten, erwachsen zu werden. Die Eltern möchten die Kinder lieber noch festhalten, damit sie ihnen nicht zu schnell entkommen.

Nicht lange nach eurer Geburt, liebe Konfirmanden, sind die meisten von euch getauft worden – hier an diesem Taufstein oder in eurer Heimatkirche. Kinder Gottes seid ihr damals geworden, und Er hat euch mit seinem Schutzengel geleitet bis hierher und euch gute Gaben geschenkt.

Ab heute aber seid ihr nach den Worten des Apostels Paulus Kämpfer für den christlichen Glauben! Ihr seid keine Kinder mehr, sondern religionsmündige Christen. Damit gilt für euch: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!“ Einer von euch hat sich das Wort zum Konfirmationsspruch erwählt. Und weiter sagt der Apostel Paulus: „Wisst ihr nicht, dass die, die im Stadion kämpfen, kämpfen alle, aber nur einer empfängt die Goldmedaille? Kämpft so, dass ihr sie erringt! Und jeder, der kämpft, trinkt keinen Alkohol und putscht sich nicht auf.“ Und weiter: „Zieht die Waffenrüstung Gottes an, dass ihr bestehen könnt gegen die Anschläge des Teufels, denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen…“

Kämpfer sollt ihr also sein. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass ihr dafür nicht den richtigen Kampfanzug angezogen habt. Wie wollt ihr mit Stöckelschuhen und Krawatte in den Kampf ziehen? Und wenn ihr heute vielleicht zum ersten Mal offiziell ein Glas Wein trinken dürft, erhöht das auch nicht gerade eure Kampfbereitschaft.

Ach, ihr wollt gar nicht kämpfen, sondern schön feiern? Das ist die deutsche Jugend! Hat Chillen und Grillen im Kopf statt kämpfen. Weicheier und Schlappschwänze. Eure Urgroßväter sind noch in den Krieg gezogen gegen Frankreich, Engelland und Russland oder haben wenigstens drei Schichten an der Maschine gestanden und im Schweiß ihres Angesichts gerackert. Eure Großmütter haben nach dem Krieg ums tägliche Brot für die Kinder gekämpft oder als Trümmerfrauen Ziegel abgeklopft. Eure Väter mussten noch Wehrpflicht leisten. Und diejenigen Eltern, die in der DDR gelebt haben, hatten einen täglichen Kampf zu bestehen. Sie waren Tag und Nacht im Friedenskampf und im Klassenkampf und im Besorgungskampf um Ersatzteile und Nahrungsmittel.

Ihr aber seid mit dem Auto zum Kindergarten und mancher noch zur Konfi-Stunde chauffiert worden. Bei Husten und Hitze gab es Schulbefreiung. Einen Spaten haben die wenigsten in der Hand gehabt, um die Erde umzugraben. Zum Bund gehen nur noch die, die sonst nichts Besseres finden. Ihr seid keine Kämpfer, sondern die Generation der Verstöpselten und der Handy-Sklaven!

Ist so viel Schimpfe heute berechtigt? Zugegeben, ihr kämpft auch in sportlichen oder musikalischen Wettkämpfen um Preis und Sieg oder um gute Noten in der Schule. Vielleicht werdet ihr in einigen Jahren noch einen harten Kampf führen müssen um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz oder um Germanys Top Model oder um das Überleben im Dschungelcamp. Es sind heute andere Kämpfe als früher, die gekämpft werden müssen, Konkurrenzkämpfe und Preiskämpfe, und dabei geht es durchaus hart zur Sache. Keiner weiß, welche Kämpfe euch noch bevorstehen in den 50, 60, 70 Jahren, die vor euch liegen.

Aber was ist mit dem Kampf des Glaubens? Spielt der in eurem Leben überhaupt eine Rolle? Habt ihr im entferntesten daran gedacht, dass ihr den guten Kampf des Glaubens kämpfen sollt? Hättet ihr euch dann überhaupt zur Konfirmation angemeldet? Welchen Kampf erwartet Gott von euch? Sollt ihr als christliche Taliban in die Türkei oder nach Mali oder Afghanistan ziehen und dort Muslime zu Jesus bekehren? Sollt ihr auf dem Schulhof atheistische Mitschüler verprügeln? Es hat kämpferische Gewalt gegeben in der Geschichte der Kirche: Kreuzzüge, den 30jährigen Krieg und in Nordirland einen Bürgerkrieg zwischen Protestanten und Katholiken. Das klingt heute nach bösen Märchen aus einer vergangenen Welt. Heute leben wir doch in einer Gesellschaft der Toleranz – wenigstens in Deutschland. Wir tolerieren eigentlich fast alles: homosexuelle Partnerschaften und vegetarische Ernährung, Patchwork-Familien und den verrücktesten Glauben, die schrillsten Kostüme und Sex und Gewalt auf allen Kanälen. Interessiert hören wir zu, wenn Muslime und Buddhisten über ihren Glauben sprechen und finden das cool, vielleicht cooler, als wenn ein Christ über seinen Glauben spricht. Wenige kämpfen heute für den christlichen Glauben. Ich habe euch erzählt, wie das zu meiner Konfirmandenzeit war: Da mussten wir harte Auseinandersetzungen führen mit Lehrern, Parteisekretären, Verwandten und Freunden, die uns einschüchtern wollten, nicht zur Konfirmation zu gehen, weil wir dann Staatsfeinde wären und viele Nachteile zu ertragen hätten: Abiturverbot und Studienverbot und anderes. Da war die Konfirmation wirklich ein Glaubenskampf.

Diese Zeit wünschen wir euch nicht zurück. Deshalb kann es kein Vorwurf an euch sein, dass ihr nicht mehr richtig kämpfen müsst für den Glauben. Oder müsst ihr doch kämpfen? Vielleicht haben sich nur die Waffen verändert und das Feindbild? Überlegen wir einmal, gegen welche Gegner und auf welche Weise wir heute vielleicht doch kämpfen müssen!

Der gute Kampf des Glaubens ist zuerst ein Kampf gegen uns selbst. Wir müssen nicht zuerst gegen Taliban in Afghanistan kämpfen, sondern zuerst gegen unsere eigene Schwachheit. Damit fangen wir Christen immer an – erst einmal auf unsere Schwächen zu schauen und nicht auf die der anderen. Wir sind vor Gott alle kleine Kümmerlinge, auch wenn mancher vor seinen Freunden ein großer Angeber ist. Wenn wir ehrlich gegen uns selbst sind, haben wir manchmal null Bock, verzweifeln über unser Aussehen, machen aus Gruppenzwang dumme Dinge mit, sind parteien- und wahlmüde, machen Fehler über Fehler, und auch als Christen engagieren wir uns zu wenig. Die 24 Pflichtgottesdienste und die zwei Jahre Konfi-Stunden sind vorbei, und mancher wird sich sagen: Schläfst du sonntags lieber wieder aus und lässt den lieben Gott bis Weihnachten einen frommen Mann sein. Ein Kampf ist nötig zuerst gegen uns selbst. Die eigne Schwäche, Feigheit und Bequemlichkeit zu besiegen, damit ihr starke Persönlichkeiten werden und engagierte Christen, die ihren Glauben leben und vertreten – das ist ein guter Kampf, der uns und euch aufgetragen ist.

Der gute Kampf des Glaubens ist zweitens ein Kampf gegen Hass, Gewalt und Rücksichtslosigkeit. Das sind die großen Bedrohungen unserer Welt, die alles Leben bis hin zur Natur zerstören – die Mächte des Teufels. Jesus hat die Botschaft der Liebe und Versöhnung verkündigt. Er hat sogar für seine Feinde gebetet. Wo immer man von euch verlangt, andere Menschen zu hassen, da ist Jesus nicht an eurer Seite, und ihr seid nicht bei ihm. Die Saat des Hasses wird überall ausgestreut. Denkt an die feigen Morde des nationalsozialistischen Untergrunds, über die gerade vor Gericht verhandelt wird, denkt an die Selbstmordattentate nicht nur in der islamischen Welt, sondern auch in Europa, die uns jederzeit treffen können, denkt an die Schlägereien am Rande von Fußballspielen und Demonstrationen, in Diskotheken, auf Bahnsteigen und in Straßenbahnen. Überall wird so schnell auf Menschen eingetreten, werden andere unbarmherzig an die Wand gedrängt. Auch gegen die Natur wird weltweit ein rücksichtsloser und gewalttätiger Kampf geführt, Öl und was die Erde an Schätzen noch birgt, wird rücksichtslos herausgeholt. Tierarten werden vernichtet. Es braucht Menschen, die darüber nicht die Schultern zucken, sondern Kämpfer werden für die Liebe und Versöhnung und für den Schutz der Schöpfung. Kämpfer aber sollen wir sein, die nicht draufschlagen, sondern der Gewalt Einhalt gebieten – so ähnlich, wie es das Mandat der UN-Truppen in Krisengebieten ist. Es ist schwerer und tapferer, seine Wut zu zügeln, als sie auszutoben. Seid solche Kämpfer für ein gutes und friedliches Miteinander der Menschen und für eine versöhnte Erde, dann lebt ihr im Geist Jesu.  

Der gute Kampf des Glaubens ist drittens aber auch ein Kampf für Jesus Christus und seine Kirche. Das ist kein Kampf gegen Muslime oder Andersgläubige, jeder soll seinen Glauben leben. Aber wir müssen für unsere eigenen Werte und für unseren Glauben öffentlich einstehen und dafür genauso werben wie die anderen für ihren Glauben. Ob wir es wollen oder nicht – es gibt einen Wettbewerb der Religionen, und wir müssen als Christen darin mithalten und nicht anderen den Sieg überlassen, der uns in eine ungewisse Zukunft führen kann. Es hat ohne Zweifel auch Schattenseiten und Verfehlungen der Kirche gegeben. Aber vor allem hat die Kirche unserem Land viel Gutes gebracht: Kultur, Musik, Kunst, Bildung, einen zivilisierten Umgang miteinander, Hilfe für Kranke und Schwache, ja Freiheit und Toleranz. Wenn wir diese hohen Güter weiter genießen wollen und nicht eines Tages Verhältnisse wie in Syrien oder im Irak hier haben möchten, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass die Kirche im Land stark bleibt und die junge Generation sie mit trägt und gestaltet. Deshalb setzt euch für diese Kirche und den christlichen Glauben ein, ja kämpft dafür einen guten Wettkampf! Gott braucht euch dazu wie uns alle. Einen Wettkampf aber gewinnt man nur, wenn man sein bestes gibt, und das ist unsere Hoffnung auf euch. Es hat schon zu viele gegeben, die sich nur konfirmieren ließen und dann schlappgemacht haben als Christen. Das nützt euch nichts und der Welt nichts.

Man kämpft natürlich nur für etwas, das man liebt. Mehr wollte ich in den letzten zwei Jahren gar nicht, als euch die Kirche lieb zu machen. Euch zu zeigen, dass sie kein altmodischer Saftladen ist, sondern eine gute Gemeinschaft, in der Menschen sich engagieren und in der wir das Leben unter Gottes Segen mit Freude und Leid feiern können wie heute eure Konfirmation. Und das Beste ist: wer sich für Gott stark macht, den macht Gott auch stark. Ihr gewinnt Kräfte und Freuden, wenn ihr im Glauben mutig lebt, und Gott wird euch segnen und bewahren in mancher Krise. „Kämpft den guten Kampf des Glaubens, zu dem ihr berufen seid!“          

(Es gilt das gesprochene Wort.)

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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